Warum Solarzellen im Frühling mehr Strom erzeugen können als im Sommer

Photovoltaikanlagen bringen im Sommer die höchste Leistung? Falsch! Trotz blauem Himmel und Traumwetter wird im Hochsommer weniger Strom produziert als im Frühling. Doch wie kann das sein?
Solarzellen Temperaturmessung

Geringere Solarzellen Leistung im Sommer

Egal ob Hamburg, Berlin oder Freiburg: ganz Deutschland zeigt sich wettertechnisch von seiner besten Seite. Temperaturen weit über 30°C, blauer Himmel und Sonnenschein – ideales Wetter um Solarenergie zu produzieren, oder? Tatsächlich laufen deutschlandweit die rund 1,6 Millionen Photovoltaikanlagen auf Hochtouren und können mit Spitzenleistungen von 27-29 Gigawatt dieser Tage knapp ein Drittel des deutschen Energiebedarfs decken. So wurde beispielsweise am 19. Juni ein Messwert von 29,5 Gigawatt ermittelt. Für einen Sommertag ein absoluter Topwert. Doch das Grübeln beginnt, wenn wir uns die Werte für Mai und April anschauen: Im Frühling lagen die Leistungen nämlich nicht selten über 30 Gigawatt. So konnte am 30. April ein Wert von 30,6 Gigawatt festgestellt werden. Eine höhere Leistung als die aktuellen Spitzenwerte im Sommer. Doch das ist nicht alles: denn bereits im März sind ähnliche Werte gemessen worden – und das obwohl dieser nicht sehr strahlungsintensiv ausfiel. Wie kann das sein? Wieso erzeugen Photovoltaikanlagen im Frühling mehr Strom als im Sommer?

Cool bleiben zahlt sich aus

Wie kommt es nun also dazu, dass eine höhere Sonneneinstrahlung eine geringere Leistung verursacht? Der Grund dafür liegt bei der Temperatur der Solarzellen, denn am effektivsten arbeiten Solarzellen bei circa 25°C. Scheint im Sommer aber die pralle Hitze unablässig auf die dunklen Solarzellen, erhitzen sich diese auf sehr viel höhere Temperaturen. Durch die Hitze der Solarzellen nimmt die Spannung ab, was wiederum zu einer geringeren Stromerzeugung führt. Die Leistung der Zellen sinkt pro zusätzlichen Grad um circa 0,4 Prozent. Demnach ist die Leistung einer Zelle bei 20°C etwa 6 Prozent höher als bei einer Zelle mit 35°C. Da hilft auch keine stärkere Einstrahlung. Dieses physikalische Phänomen lässt sich aktuell leider nicht umgehen, weshalb wohl auch in Zukunft die Leistung im Frühling und im Herbst höher sein wird als bei idealer Einstrahlung im Sommer.

Achtung beim Kauf einer Photovoltaikanlage

Leider führt dies bei Kunden oft zu Frustration und Misstrauen. Besonders dann, wenn Hersteller ihre Photovoltaikanlagen ausschließlich unter Idealbedingungen testen um möglichst hohe Werte zu erreichen. Aus diesem Grund wird die offizielle Kapazität der Solarenergie in Deutschland mit 42 Gigawatt angegeben, obwohl es realistisch betrachtet nur knapp 30 Gigawatt sind. Für den Verbraucher heißt das zwar einerseits, dass die Leistung der eigenen Anlage über Frühling, Sommer und Herbst verhältnismäßig gleich bleibt – es bedeutet aber auch, dass insgesamt mit weniger Strom gerechnet werden muss als vom Hersteller angegeben. Für den Kauf einer Photovoltaikanlage ist diese Information wichtig, damit es später keine bösen Überraschungen gibt. Solarenergie ist grün, effizient und nachhaltig – das schützt die Branche aber leider nicht vor schwarzen Schafen, die mit gezinkten Werten Kunden gewinnen wollen. Davor schützt nur eine gute und unabhängige Beratung.

Quelle: SPIEGEL ONLINE

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne Bewertung: 1,67 (42 Stimmen)

Schreiben Sie uns Ihre Meinung

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.