Wie lassen sich Heizungen mit Solarthermie kombinieren?

Wer eine neue Heizung kaufen möchte, denkt oft auch über die gleichzeitige Installation einer Solarthermie-Anlage nach. Doch lässt sich jede Heizung problemlos mit einer Solaranlage kombinieren? Wir zeigen, welche Kombinationen aus Heizung plus Solarthermie möglich sind und welche Vor- und Nachteile es gegeneinander abzuwägen gilt.
Solarthermie Installation

Wie funktioniert Warmwasserbereitung mit Solarthermie?

Zentraler Bestandteil ist ein Wärmespeicher, in den Heizung und Solarkollektoren ihre Wärme einspeisen, die dann dort bis zum Verbrauch gespeichert wird. So kann die Solarthermie-Anlage in den Sommermonaten das in Küche und Bad benötigte warme Wasser vollständig zur Verfügung stellen. Die Heizung bleibt in dieser Zeit ausgeschaltet. In der Übergangszeit springt die Heizung nur ein, wenn die abgegebene Wärme aus der Solarthermie-Anlage für die Warmwasserbereitstellung nicht ausreicht. Im Winter übernimmt die Heizung zwei Funktionen: Sie stellt die notwendige Wärme für warmes Wasser und für die Wohnräume zur Verfügung.

Welche Aufgabe soll die Solarthermie-Anlage erfüllen und wie groß muss sie dimensioniert werden?

Bevor eine Solarthermieanlage installiert wird, muss entschieden werden, ob nur eine solare Warmwasserbereitung oder auch zusätzlich eine solare Heizungsunterstützung gewünscht ist. Entsprechende groß muss die Kollektorfläche bemessen werden. Für eine solare Warmwasserbereitung reichen etwa 1,5 m² Flachkollektor pro im Haushalt lebender Person aus. Bei leistungsfähigeren Röhrenkollektoren schon 1 m². Eine zusätzliche solare Heizungsunterstützung eignet sich optimal bei einer Fußbodenheizung. Durch die im Vergleich zu herkömmlichen Heizkörpern geringeren Vorlauftemperaturen, kann über die Solarthermie ein vergleichsweise höherer Anteil des Heizungswassers erwärmt werden. Für ein Einfamilienhaus mit vier Personen und etwa 150 m² Wohnfläche sollte die Kollektorfläche etwa 14 m² bei Flachkollektoren und 10 m² bei Röhrenkollektoren betragen.

Welche Heizungen lassen sich mit Solarthermie kombinieren?

Solarthermie lässt sich mit jeder bestehenden und jeder neu installierten Heizung problemlos kombinieren. Nach dem Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz des Bundes (EEWärmeG) gibt es seit 2009 eine Pflicht zur Nutzung erneuerbarer Energien beim Neubau. In Baden-Württemberg schreibt das Erneuerbare-Wärme-Gesetz (EWärmeG) auch bei einem Heizungstausch einen Pflichtanteil von 15 Prozent an erneuerbaren Energien vor. Für die Erfüllung dieser gesetzlichen Vorgaben eignet sich die Einbindung von Solarthermie in die neue Heizung hervorragend. Hier die einzelnen Kombinationsmöglichkeiten von Heizung plus Solarthermie im Überblick:

Ölheizung plus Solarthermie

Solarthermie wird meist dann installiert, wenn ein alter Ölkessel  durch einen modernen Kessel mit Brennwerttechnik ersetzt wird. Eine Ölheizung ist eine bewährte Basis für den Einsatz von Solarthermie. Sie liefert immer dann Wärme, wenn die Sonnenstrahlen allein nicht mehr ausreichen. Ölheizungen sind aufgrund des aktuell niedrigen Heizölpreises in der Heizungsmodernisierung sehr gefragt. Allein im 1. Halbjahr 2016 wurden 16 Prozent mehr Öl-Brennwertgeräte verkauft als im Vorjahr. Die Kosten für die Anschaffung einer Ölheizung mit Solarthermie (Warmwasser) betragen etwa 9.000 – 11.500 Euro. Nachteile dieser Kombination: Die begrenzte Verfügbarkeit sowie die Emissionen des fossilen Energieträgers und dessen Preisschwankungen sprechen mittel- und langfristig gegen diese Kombination.

Gasheizung plus Solarthermie

Soll die veraltete Gasheizung durch eine deutlich sparsamere Gas-Brennwertheizung ersetzt werden, dann ist eine Kombination mit Solarthermie sehr sinnvoll. Gas schlägt Heizöl bei den Emissionen und ist deshalb die umweltschonendere der beiden Alternativen. Auch sind die Anschaffungskosten von Gas-Brennwert plus Solar (ab etwa 8.000 Euro) günstiger. Nachteile sind die im Vergleich zu anderen Energieträgern höheren Preise sowie – wie beim Heizöl – die auf Dauer begrenzte Verfügbarkeit.

Pelletheizung plus Solarthermie

Die Kombination einer Pelletheizung mit einer Solarthermie-Anlage ist für alle interessant, die komplett auf erneuerbare Energien umstellen möchten. Grundmaterial für Pellets sind Holzabfälle aus der heimischen Holzverarbeitung. Pellets können aus regionaler Herstellung eingekauft werden, ohne lange Transportwege. Die Kombination mit Solarthermie eignet sich bestens, weil auch eine Pelletheizung beim Anfeuern für ein Gebläse elektrische Energie benötigt. So kann die Pelletheizung – wie die Ölheizung oder Gasheizung auch – in der wärmeren Jahreszeit  ausgeschaltet bleiben. Das warme Wasser kommt dann von der thermischen Solaranlage. Pelletheizungen eignen sich hervorragend für Häuser mit einem größeren Energiebedarf. Eine Pelletheizung ist für den Betrieb schon mit einem entsprechend großen Wärmespeicher gekoppelt, das macht die Einbindung von Solarwärme noch interessanter. Für diese Kombination sprechen die auch künftig gesicherte Verfügbarkeit des Energieträgers sowie die im langjährigen Durchschnitt niedrigeren Kosten für Pellets im Vergleich zu Heizöl oder Erdgas. Zusätzlich motivierend ist die hohe Förderung, die allerdings die Mehrkosten bei der Anschaffung nicht abdeckt. Die Kosten für eine Pelletheizung mit Solaranlage starten für ein Einfamilienhaus bei etwa 26.000 Euro.

Wärmepumpe plus Solarthermie

Wärmepumpen zapfen die in den Wärmequellen Erde, Wasser und Luft gespeicherte Umweltwärme an und wandeln diese um in Wärme zum Heizen oder für warmes Wasser. Sie arbeiten sehr effizient, benötigen aber Strom dazu. Genau wie bei allen anderen Varianten hilft die Solarthermie-Anlage auch hier beim Energiesparen, wenn anstelle der Wärmepumpe die Sonne das benötigte Warmwasser erwärmt. Weiteres Plus: Wärmepumpen können optional im Sommer auch kühlen. Das kann keine andere Heizung. Allerdings sind die Einsatzbereiche von Wärmepumpen in älteren Gebäuden etwas eingeschränkt. Voraussetzung ist ein gewisser Dämmstandard sowie am besten eine Fußbodenheizung. Hintergrund: Wärmepumpen arbeiten umso effizienter, je niedriger die erforderliche Vorlauftemperatur ist. Wird der Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt, dann ist die Kombination Wärmepumpe plus Solarthermie für alle interessant, die komplett mit regenerativen Energien heizen und ihr Warmwasser gewinnen wollen. Gegen diese Kombination sprechen die im Vergleich zu einer Ölheizung oder Gasheizung höheren Investitionskosten, die sich – je nach Wärmequelle – in einer Bandbreite von 16.000 bis 33.000 Euro bewegen. Dafür die deutlich höhere Förderung. Alternativ lässt sich eine Wärmepumpe auch mit einer Photovoltaikanlage kombinieren. Dann kann der für die Wärmepumpe benötigte Strom selbst gewonnen werden.

Welche Vorteile bietet eine Heizung mit Solarthermie?

Die energiesparende Kombination weist stichhaltige Vorteile auf:

  • Mit der Einbindung von Solarthermie sinkt die Abhängigkeit vom Energieträger der Heizung und dessen Preisentwicklung
  • Solarthermie senkt die Heizkosten und die Emissionen bei jeder Heizung
  • Keine Kosten für die Wärmebevorratung im Sommer und in der Übergangszeit, solange die Heizung ausgeschaltet bleiben kann
  • Längere Lebensdauer der Heizung, da sie über die Sommermonate nicht in Betrieb ist
  • Dadurch geringere Wartungs- und Instandhaltungskosten an der Heizung
  • Für Solarthermie sowie für eine Heizungsmodernisierung gibt es eine staatliche Förderung

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